Straßenbahnfahrt durch die Eisenbahnstraße um 1931

Gerade wird viel über Veränderungen der Eisenbahnstraße hier im Leipziger Osten gesprochen. Dabei hat die Straße in den letzten Jahrzehnten bereits eine Reihe von gewaltigen Veränderungsprozessen durchgemacht. Dass zumindest die Hausfassaden jedoch noch immer fast originalgetreu stehen, ist eine ziemliche Seltenheit. In anderen Städten ist der Wiederaufbau viel radikaler abgelaufen.

Mit über Hundert Geschäften und ganzen zwei Kinos sowie zahlreichen Cafés und Hotels war die Eisenbahnstraße zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine beliebte Einkaufsmeile. Das sieht man sehr gut in dem Video aus dem Jahr 1931  zu Zeiten der Weimarer Republik. Damals war Leipzig eine der größten Städte Deutschlands mit über 700.000 Einwohnern.  1933 versuchten die Bewohner sich als Teil der Arbeiterbewegung der Machtergreifung durch die NSDAP zu widersetzen. Es kam zu Verhaftungen und zum wirtschaftlichen Niedergang und Wegzug vieler Menschen aus der Gegend.

Nach der Wiedervereinigung kam der Zerfall

Baustelle auf der Eisenbahnstraße um 1990
Baustelle auf der Eisenbahnstraße um 1990

Zu DDR-Zeiten wurde die Eisenbahnstraße nach dem Anführer der lokalen Arbeiterbewegung benannt: Ernst Thälmann. Nach der Wiedervereinigung 1990 kam es zum Zusammenbruch der lokalen Wirtschaft. Noch mehr Menschen verließen Leipzig, insbesondere den Osten, also Volkmarsdorf sowie Neustadt-Neuschönefeld. Das Viertel war bis auf einige Ausnahmen fast unbewohnt. Einigen Leipzigern kamen nicht selten die Tränen beim Anblick all der alten, verlassenen Häuser. Schließlich plante die Stadt, hier alles platt zu machen.

Der Zuzug von Menschen vor allem aus Osteuropa, der Türkei und den nördlichen Golfstaaten sowie Studenten aus allen möglichen Richtungen hat der Gegend erst wieder Leben eingehaucht.

Im Video sieht man als allererstes die Einfahrt auf den Torgauer Platz, nachdem die Tram das Bülowviertel an der Seite der Torgauer Straße passiert hat. Dann geht es weiter vorbei am heutigen japanischen Haus und am Kune sowie dem syrischen Bistro. Gegenüber der alten Falkenapotheke sieht man am Goldhorn-Haus noch alten Stuck und weiter geht es entlang der damligen Häuser und all den anderen heutigen Geschäften, Bars und Cafés.


Credits

Die ursprüngliche Quelle des Videos ist unbekannt. Auf YouTube wurde das komplette Video mit weiteren Straßen in Leipzig um 1931 von Thomas Wangenheim bearbeitet und hochgeladen. Die Credits für die Hintergrundmusik: John Stockton Slow Drag von Chris Zabriskie (chriszabriskie.com) steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution license (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/).  Weitere:  Life in Romance von Twin Musicom (http://www.twinmusicom.org)